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  Natursteinuntersuchungen

von Dipl.-Chem. (Univ.) Richard Krauss
LGA QualiTest GmbH, Chemische Produktprüfung

Magie in der Natursteinbehandlung

Ist es elektromagnetische Energie oder sind es magische Kräfte die eine Firma ihrem Produkt verleiht, um -wie behauptet- die Natursteinoberfläche bis zu mindestens 50% härter machen soll? Diese Behauptungen der Herstellerfirma hielten den Untersuchungen der LGA nicht stand.

Sachverhalt

In einem hochwertig angelegten Privathaus einer Ärztefamilie aus Nürnberg wurde Marmor "Carrara Typ Calacatta" mit polierter Oberfläche als Fußbodenbelag verlegt. In der Privatpraxis derselben Ärztefamilie wurde ebenfals Marmor "Carrara Typ Statuario" mit feingeschliffener Oberfläche über zwei Stockwerke verlegt. Da der Marmor im Vergleich zu vielen anderen Natursteinen relativ weich ist (Ritzhärte nach Mohs ca. 3), erfolgte die Auswahl von Marmor als Bodenbelag unter der Voraussetzung, dass nach der Verlegung der Natursteinbelag durch Oberflächenbehandlung gehärtet werden soll. Für die Härtung der Marmoroberfläche bot eine Firma ein Produkt an, das den Stein bzw. die Steinoberfläche um mindestens 50% härter machen soll. Die härtende Wirkung dieses Produktes wurde durch einen Prüfbericht des Materialprüfungsamtes Stuttgart belegt, wobei im Prüfbericht nur der Härteunterschied zwischen zwei Natursteinplatten, die von der Firma selbst zugeschickt wurden, geprüft wurde.

In der Beschreibung zum Produkt soll die Härtung bzw. eine Festigung und Stabilisierung im Gefüge des Natursteins auf die bioenergetische Wirkung des Produktes basieren.
Isopropanol, als Grundstoff des Produktes, erfährt nach Angaben der Firma bei der Herstellung unter anderem eine elektromagnetische Behandlung, wodurch er in die Lage versetzt wird, in dem Mineralgefüge des Natursteins Bindekräfte zu reaktivieren und somit den Naturstein zu härten.
Unter dieser Voraussetzung wurde der Marmor verlegt und mit dem Härtungsprodukt behandelt. Kurze Zeit nach der Behandlung erschien die polierte Plattenoberfläche im Privathaus und die geschliffene Plattenoberfläche in den Praxisräumen, im begangenen Bereich matt und verschmutzt. Ein unmittelbar daneben verlegter und unbehandelter Juramarmorbelag zeigte sich widerstandsfähiger und ohne Schäden. Demzufolge wurde an der Wirkung des aufgebrachten Härtungsmittels gezweifelt. Laboruntersuchungen in Jena und in der Schweiz im Zusammenhang mit einem früheren Gutachten ergaben, dass das Härtungsmittel zu ca. 99% aus Isopropanol besteht. Andere Beimengungen konnten nur im Spurenbereich festgestellt werden.

Durch das Gericht wurde das Fachzentrum Chemische Produktprüfung der LGA beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, in dem der Beweis über die Wirkung dieses Produktes erbracht werden soll.
Nach der Befragung der Herstellerfirma dieses Produktes wurde bestättigt, dass der Steinhärter nur Isopropanol enthält. Der verwendete Isopropanol sei allerdings kein gewönlicher sondern ein energiebehandelter Isopropanol, der die gespeicherte elektromagnetische Energie bei der Behandlung an den Naturstein abgibt und somit die Kristallstruktur verändert, wodurch eine Härtung erfolgt.
Um die Behauptungen der Herstellerfirma zu Prüfen wurde Untersuchungsmaterial der beiden Marmorsorten wie folgt angefordert:

  • Steinhärter original verpackt,
  • 10 Muster von dem verwendeten Marmor Typ Calacatta -Abmessung 100 x 100 x 7 mm- mit relativ gleichmässiger Struktur und Maserung, bezeichnet mit 1 bis 10,
  • 10 Muster von dem verwendeten Marmor Typ Statuario -Abmessung 100 x 100 x 7 mm- mit relativ gleichmässiger Struktur und Maserung, bezeichnet mit I bis X.
Marmor Typ Calacatta
Marmor Typ Calacatta
Marmor Typ Statuario
Marmor Typ Statuario

Im Labor wurden an den zugeschickten Muster Vergleichsprüfungen durchgeführt.

Für die Vergleichsprüfungen wurden die Natursteinmuster wie folgt behandelt:

  • Jeweils drei Muster von jeder Marmorsorte (1, 2, 3 und I, II, III) wurden mit dem Steinhärter nach Vorschrift der Herstellerfirma behandelt.
  • Drei Muster der beiden Marmorsorten (4, 5, 6 und IV, V, VI) wurden ebenfalls nach Vorschrift jedoch mit Isopropanol der Fa. Merck behandelt.
  • Drei Muster der beiden Marmorsorten (7, 8, 9 und VII, VIII, IX) wurden mit Ethylalkohol gereinigt, um eventuelle Fettreste oder andere anhaftende Partikel von der Oberfläche zu entfernen.

Die so behandelten und bis zur Gewichtskonstanz in einem Klimaraum getrocknete Muster wurden einzeln auf einer Analysenwaage auf 0,1 mg genau abgewogen und einer Abriebprüfung nach ASTM D 4060 - 90 unterzogen (gleiche Prüfbedingungen wie das MPA Stuttgart).

Die Abriebprüfung nach ASTM D 4060 - 90 wurde mit dem Taber-Abraser der Fa. Frank-Hauser mit der Reibrolle CS 17 bei einer Gesamtbelastung von 1000 g bzw. 500 g/Rolle durchgeführt. Diese Prüfung gleicht der Abnutzung durch Schuhwerk von begangenen Flächen u.a. aus hartem Kunststoff und Beschichtungen, keramischen Glasuren und Glas.

Nach jeweils 50. 100, 200, 500, 1000, 1500, 2000, 2500 und 3000 Umdrehungen wurde der Masseverlust der Proben durch Wiegen auf 0,1 mg genau bestimmt.

Die Untersuchungsergebnisse der Abriebprüfungen wurden tabellarisch sowie graphisch dargestellt.

Abriebprüfung nach ASTM D 4060-90
Marmor Carara typ Calacatta
Marmor Carara typ Calacatta

Abriebprüfung nach ASTM D 4060-90
Marmor Carrara typ Statuario 220er Schliff
Marmor Carrara typ Statuario

Wie die tabellarischen Darstellungen der Untersuchungen zeigten, besteht im Durchschnitt kaum ein Unterschied zwischen den mit dem Steinhärter, mit Isopropanol der Fa Merck behandelten und den unbehandelten Mustern. Da Marmor in der Textur sehr unterschiedlich ist, können Streuungen bei der Abriebprüfung nach o.a. Norm auftreten. Die Streuungen der Einzelwerte können verschiedene Ursachen haben wie unterschiedliche Maserung, Oberflächenbeschaffenheit (geschliffen, poliert), Kristallstruktur (grob-, feinkristallin), Inklusionen von anderen Mineralien (Ton, Quarz, Pyrit, Graphit u.a.m), Lage des Steinblocks im Steinbruch usw.

Wie zu erwarten war, konnte bei keinem der beiden geprüften Marmortypen, nach den durchgeführten Abriebprüfungen eine härtende Wirkung durch den Steinhärter festgestellt werden.
Somit wurde der Beweis erbracht, dass das Produkt keinerlei gespeicherte elektromagnetische Energie oder andere magischen Kräfte enthält, welche geeignet sind Marmor zu härten.
Das Produkt ist jedoch seit Jahren auf dem Markt und somit stellt sich die Frage, wie viele Menschen diesem Betrug zum Opfer gefallen sind?

Nürnberg, 2004

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