LGA Über den Wipfeln des Erbracher Staatsforstes

Über den Wipfeln des Erbracher Staatsforstes

Peter Budig

Manchmal scheint es, dass die Folgen der Corona-Krise auch das Wirtschaftsleben lahmlegen. Doch es gibt auch Branchen und Aufträge, die von der Corona-Krise kaum in der Ausübung ihres Berufs beeinträchtigt werden. Peter Podlech, Bauingenieur bei der LGA Bautechnik GmbH in Nürnberg ist Spezialist für Brücken, insbesondere solche aus Holz. Unser Anruf erreicht ihn im Ebracher Forst. Dort prüft er den „Baumwipfelpfad Steigerwald“, ein Holzgebilde aus einem 1150 Meter langen Brückenbau, der in einen spiralförmig gewendelten Aussichtsturm mündet. Der Baumwipfelpfad selbst war zur Zeit der Prüfung fürs Publikum geschlossen – so wie alle öffentlichen Einrichtungen, die nicht systemrelevant sind. Für die jährlich anstehende Prüfung sind das eher gute Voraussetzungen. „Grundlage der Prüfung ist die DIN 1076 – eine Norm für Brücken. Besonders nicht überdachte Holzbrücken sind ganz natürlich anfällig für Niederschlag und Fäule“, erläutert Peter Podlech. Gemeinsam mit zwei Kollegen – „einer sichert, einer notiert die Befunde, einer klettert und misst“ – war er mehrere Tage im März am Holz-Bauwerk zugange. Die tragenden Teile wurden alle geprüft; erst in Augenschein genommen, dann bei Pilzbefall oder Verdacht auf Fäule gesondert gemessen. „Dazu wird ein Stahlstift, eine ca. 2 mm breite Bohrnadel, drehend in den Baumstamm getrieben. Die Bohrwiderstandsmessung gibt Aufschluss darüber, ob noch gleichmäßige Festigkeit besteht oder die Nadel bereits weich durchs Holz dringt. Das Ergebnis der Bohrwiderstandsmessung ist vergleichbar einem EKG: Eine mehr oder weniger gezackte Messkurve gibt Aufschluss über den Zustand des Holzes“, so Podlech.

Um das Bauwerk gründlich zu prüfen, sind sehr gute Kletterfähigkeiten erforderlich. Für Podlech, Sportkletterer seit seiner Jugend und zusätzlich bei der Bundeswehr ausgebildet, ist das nichts weiter als eine willkommene Herausforderung. Das Ergebnis der Prüfung des Ebracher Baumwipfelpfades ist beruhigend für Barbara Ernwein. Die Försterin, angestellt bei den Bayerischen Staatsforsten, ist im Steigerwald für die Leitung des Baumwipfelpfades zuständig: „Wir bringen es so auf den Punkt: nutzen und schützen“, erläutert sie. Die Hauptaufgaben der Bayerischen Staatsforsten liegen in der Bewirtschaftung des Waldes, ohne dabei die Natur außer Acht zu lassen, umgesetzt mit dem integrativen Naturschutzkonzept. Ernwein leitet das Ausflugsziel rund um den Baumwipfelpfad Steigerwald, hier kann jeder Besucher die Arbeit der Förster im Steigerwald kennenlernen. Der Baumwipfelpfad selbst ist kein Klettersteig, sondern ein bequem begehbarer Weg. Er gilt als „Sonderbetrieb“. Försterin Ernwein zeigt die Arbeit der Förster, erklärt diese und man kann vor allem den Wald genießen. Der Befund des LGA-Teams für den vier Jahre alten Holzsteg mit Aussichtsturm lautet: „Die tragenden Teile sind in gutem Zustand. Einige aussteifende Teile müssen mittelfristig ersetzt werden.“ Doch wenn die Staatsregierung die Wiedereröffnung gestattet, dann steht der Baumwipfelpfad mit Aussichtsturm und Spielstationen einschließlich der eigens erstellten Wipfelapp für die Besucher bereit. LGA-geprüft!

LGA-BAUINGENIEUR PETER PODLECH PRÜFT AUCH WÄHREND DER CORONA-KRISE WEITER

Um das Bauwerk gründlich zu prüfen, sind sehr gute Kletterfähigkeiten erforderlich. Für Podlech, Sportkletterer seit seiner Jugend und zusätzlich bei der Bundeswehr ausgebildet, ist das nichts weiter als eine willkommene Herausforderung.

DER BAUMWIPFELPFAD

ist eine Holzkonstruktion aus Stämmen der Douglasie, umgangssprachlich „Douglastanne“ genannt. Die Douglasie ist ein in Mitteleuropa angesiedeltes Nadelholz, das ursprünglich aus Nordamerika stammt und durch seinen Aufbau besonders für den Außenbereich geeignet ist. Für die Stützen wurden ganze Douglasienstämme geschält und als Ganzbäume verbaut. Diese sind bis zu 28 Meter lang und die stärksten erreichen unten bis 80 cm Durchmesser.

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