LGA Entlang der Nürnberger Stadtmauer

Entlang der Nürnberger Stadtmauer

Peter Budig

EIN RUNDGANG MIT GREGOR STOLARSKI ENTLANG DER NÜRNBERGER STADTMAUER

FASZINIERENDE­BEGEGNUNGEN MIT MEISTERN DER SANDSTEINKUNST

In Nürnberg läuft mit der Sanierung der Stadtmauer in zehn Bauabschnitten ein millionenschweres, mehrjähriges Mammutprojekt. Für die Begutachtung, Beratung und Bauaufsicht ist von Seiten der LGA Gregor Stolarski zuständig. Das oberste Ziel lautet „Substanzerhaltung“. Auf einem zweistündigen Rundgang vom Ludwigstor zum Tiergärtner Tor mit Mitarbeitern der LGA aus dem Grundbauinstitut las Stolarski förmlich anhand der Sandsteinmauern aus der Geschichte Nürnbergs.

Gregor Stolarski, LGA,
Experte für historische
Bauten wie die
Nürnberger Stadtmauer

DIE NÜRNBERGER STADTMAUER

Die freie Reichsstadt Nürnberg gehörte zu den wohlhabendsten Städten in Europa. Die Bürger hatten also Grund, sich vor Angriffen zu schützen, und das Geld, eine aufwendige Stadtmaueranlage zu errichten. In drei Ringen à etwa fünf Kilometer verlaufen die unterschiedlichen Schutzzwecken dienenden Mauerringe um die Altstadt: die direkt an die Stadt angrenzende hohe und dicke Verteidigungsmauer, ein vorgelagerter Zwinger mit Zwischenbastionen und einem gut 20 Meter breiten Graben und schließlich die äußere Grabenfuttermauer. Der Baubeginn war bereits im 13. Jahrhundert, von da an wurde ständig erweitert, ausgebessert, ertüchtigt – ein „work in progress“ über Jahrhunderte. Große Teile der Stadtmauern sind heute noch erhalten oder wurden nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges wieder hergestellt, sie gelten als längste zusammenhängende erhaltene mittelalterliche Stadtbefestigung in Europa.

Quelle u.a.: Diefenbacher, Michael u. Endres, Rudolf (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg, Tümmels Verlag 1999, S. 1018

Die Stadtmauer musste sich dem Wandel der Zeiten anpassen: Wo anfangs Bogenschützen aus schmalen Fenstern verteidigten, waren später große Scharten und Wehrgänge nötig, um Kanonen in Stellung zu bringen. Viel Wert wurde auf Äußerlichkeiten gelegt, die potentielle Gegner beeindrucken und abschrecken sollten. Zum Beispiel wurden besonders große Steinquader vorne angebracht, um solide Festigkeit sichtbar zu machen, die allerdings durch ganz andere, d.h. versteckte und raffinierte Baumethoden tatsächlich erreicht wurde. Die Kenntnisse der Schutzmauerkunst wurden wie Staatsgeheimnisse behandelt. Kein Aufwand wurde gescheut, die Mauer stabil zu machen: So haben die alten Nürnberger ihre Befestigungsanlage mit zunehmender Nähe zur Burg immer tiefer gegründet, zwischen einem und bis zu drei Metern tief, und sie teilweise sogar in den Felsen eingebunden, auch damit der Feind sich nicht, wie in Wien geschehen, unter der Mauer durchgraben konnte. Die Stadtmauer hat die Jahrhunderte erstaunlich gut überstanden. Größere Schäden entstanden erst in den letzten Wochen des 2. Weltkriegs, als Nürnberg systematisch bombardiert wurde. Doch es sind moderne „Angreifer“, die der Mauer vor allem zusetzen, Vibrationen des Verkehrs und Streusalze, die mit Regenwasser einsickern und das Mauerwerk von innen „auffressen“. An etlichen Stellen führte Stolarski vor, wo das Salz nach außen dringt und an der Wand sichtbar wird. Als Experte liest der LGA-Ingenieur diese und andere Auffälligkeiten mit geschultem Blick und resümiert: „Der Anschein trügt oft, nicht jede Fläche ist so alt, wie sie aussieht.“ Und nicht jeder vermeintlich logische Schluss ist richtig: „In die Mauer wurden systematisch Hohlräume eingefügt, um sie zu entlasten. Diese in späteren Jahren mit Beton auszufüllen, war keine gute Idee, denn so werden Belastungen weitergeleitet und die Mauer nimmt Schaden.“ Was den modernen Bauingenieur jedoch am meisten beeindruckt, ist die althergebrachte Baukunst; die Steinmetze und die Baumeister aus Nürnberg waren bereits in den historischen Zeiten europaweit gefragt, sie stammten aus einer berühmten lokalen Baumeisterschule.

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