LGA Wohin nur mit dem Regen?

Wohin nur mit dem Regen?

Peter Budig

WIE MAN MITTELS INFILTROMETER VERSICKERNDE WASSERMENGEN ERMITTELT

Lassen Sie sich nicht täuschen: Obgleich die Abteilung den Namen Bautechnisches Prüflabor trägt, sind die Kollegen auch im Gelände unterwegs und untersuchen vor Ort die Beschaffenheit des Untergrundes. Ab und zu kommt es vor, dass die Kollegen dabei mitten im Nirgendwo vor einem Wasserbehälter stehen und beobachten, wie schnell sich dieser leert und das Wasser im Boden verschwindet. Aber warum tun Sie das, man kann doch davon ausgehen, dass Wasser bei Regen im Boden versickert?

Nach Abschluss einer Baumaßnahme besteht in der Regel nur noch ein Bruchteil der Grundstücksfläche aus natürlichem Untergrund, der Großteil ist entweder mit einem Gebäude bebaut oder mit befestigtem Untergrund, wie Pflaster, Beton oder Asphalt, verschlossen. Der Regen fällt aber wie gehabt pro Quadratmeter vom Himmel und das Wasser muss von befestigten Boden- und Dachflächen abgeleitet werden. Jetzt könnte man denken: Dafür ist doch der Kanal da, einfach einen Anschluss legen und das Problem ist gelöst. Doch leider ist das Problem dadurch nicht gelöst, sondern wird nur verlagert. Am Ende des Kanals stellt sich wieder die Frage: Wohin mit dem Wasser? Ist nur ein Mischwasserkanal für Regen- und Abwasser vorhanden, kann das schnell zur Überlastung der Kläranlage führen. Im Idealfall bleibt das Wasser also an Ort und Stelle und man lässt es im Untergrund versickern, bis es im Grundwasserleiter angelangt ist. Dazu werden unterirdisch Bereiche aus tragfähigem, aber wasseraufnahmefähigem Material geschaffen, in die das Wasser eingeleitet wird. Im Boden unter diesen beispielsweise sogenannten Rigolen kann nun das Wasser versickern.

So schön diese Planung auch ist, es muss erst nachgewiesen werden, dass der Boden die Fähigkeit besitzt, eine ausreichend große Menge Wasser in kurzer Zeit abzuleiten. Früher bediente man sich einer sehr anschaulichen, aber kosten- und platzintensiven Methode. Mit einem Bagger wurde eine Grube in der Tiefe ausgehoben, in der im besten Fall versickert werden sollte. Anschließend wurden die Maße der Grube ermittelt und Wasser eingefüllt. Mit einer Messlatte und Stoppuhr wurde nun über eine gewisse Zeit beobachtet, wie sich der Wasserspiegel absenkte. Über die Zeit, die versickerte Menge Wasser und die Oberfläche der Prüfgrube konnte der sogenannte kf-Wert berechnet werden, der Aussagen über die Versickerungsfähigkeit des Bodens liefert. Nun kommen die Kollegen des Bautechnischen Prüflabors mit ihrem Wasserbehälter ins Spiel. Viel mehr ist nämlich nicht nötig, um im Zuge der Baugrunduntersuchung den kf-Wert zu ermitteln. Mittels Kleinrammbohrungen wird Bodenmaterial entnommen, um die Schichtfolge festzustellen und Proben für spätere Laborversuche zu entnehmen. Dies dient dem Ingenieur später als Grundlage für das Baugrundgutachten mit Gründungsempfehlungen.

Ist beim Bohren die Tiefe erreicht, in der zukünftig versickert werden soll, wird das sogenannte Infiltrometer aufgebaut, dessen Hauptbestandteil ein Wasserbehälter mit Zentimeterskalierung ist, der auf einem Stativ befestigt wird. An der Unterseite des Behälters ist ein Schlauch angebracht, der in das Bohrloch geführt wird. Eine Apparatur am Ende des Schlauchs lässt nur so lange Wasser durch, bis der gewünschte Wasserspiegel erreicht ist, und stoppt dann den Zufluss. Versickert nun Wasser, kann weitere Flüssigkeit bis zum erneuten Erreichen des Wasserspiegels nachfließen. Am Behälter wird über die Zeit beobachtet, wie viel Wasser versickert. Über die Oberfläche des Bohrlochs, die versickerten Liter Wasser und die Zeit wird nun der kf-Wert errechnet. Für genau die gegensätzliche Fragestellung kann der Versuch übrigens auch genutzt werden: Wenn nämlich nachgewiesen werden muss, dass der Untergrund dicht und wasserundurchlässig ist. Leert sich der Behälter dann kaum bis gar nicht, ist das der Nachweis für die Undurchlässigkeit. Egal, welche Fragestellung nun vorliegt, die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Platzbedarf ist gering, statt einer Kubikmeter großen Grube wird nur ein Bohrloch mit wenigen Zentimetern Durchmesser benötigt. Es ist kein zusätzlicher Bagger nötig, denn das Raupenbohrgerät des Labors reicht aus, um die Bohrlöcher herzustellen.

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