LGA Die Gründung des Gewerbe­museums

Die Gründung des Gewerbe­museums

Peter Budig

1869
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JAHRE LGA

Wie weit ist doch diese Zeit entfernt, als die LGA, damals unter dem Namen Gewerbemuseum, gegründet wurde? In Franken war man nach dem Besuch von Weltausstellungen in London und Paris alarmiert. Man musste sich eingestehen, dass einheimische Waren auf dem Weltmarkt nicht mithalten konnten. Dass diese Einsicht in ein Gewerbemuseum mündete, ist nur auf Umwegen zu begreifen: Einzelne Unternehmer erkannten die neuen Chancen der Industrialisierung. Neue, bessere Produktionsmethoden, mehr, schneller, effizienter konnte produziert werden. Nun kamen jene ins Spiel, die von der Schausammlung eines Museums profitieren könnten: Die „Industrien“ brauchten Fachkräfte. Die alten Zünfte wussten keine Beiträge zu leisten, wie aus Schustergesellen, Landarbeitern und Bäckern tüchtige Industriearbeiter und Techniker würden. Dafür trat die LGA, pardon, dass Gewerbemuseum, an. Mit Kursen, Fort- und Weiterbildungen, mit Schulungen in Design und Funktionalität und einer umfangreichen Schausammlung vorbildlicher Gegenstände (die heute noch im Germanischen Nationalmuseum zu sehen ist).

Adolph v. Menzel: Eisenwalzwerk (1875) zeigt die Herstellung von Eisenbahnschienen. Das Bild (entstanden 1872-1875) gilt als die erste größere Industriedarstellung in Deutschland.

Es waren einzelne Unternehmer, die die Rahmenbedingungen schufen. Die mechanische Werkstätte von Wilhelm Späth am Dutzendteich produzierte Spezialmaschinen (hier wurde der aus England gelieferte „Adler“ zusammengebaut). Die Maschinenfabrik Kramer-Clett (aus der die MAN entstand) generierte Aufträge für tausend Eisenbahnwaggons. Johann Sigmund Schuckert (1846 – 1895), ein begnadeter Nürnberger Elektrotechniker und Unternehmer (die Schuckert-Werke wurden 1903 von Siemens übernommen), schuf binnen weniger Jahre ein Weltunternehmen mit 8500 Mitarbeitern, ein Drittel davon war in Nürnberg tätig.

Der Wegbereiter für das Gewerbemuseum hieß Johann Caspar Beeg (1809 – 1867), ein Lehrer mit beeindruckenden Zusatzqualifikationen. Im Auftrag der bayerischen Staatsregierung besuchte er die Weltausstellungen 1851 und 1862 in London sowie 1855 in Paris. Sein Einsatz führte zur Reaktivierung der früheren Gewerbemusterund Werkzeugsammlung. Für ihn war die Gründung eines Gewerbemuseums als Institution der Gewerbeförderung eine Überlebensfrage für die Wirtschaft. Im oberen Stock des Fleischhauses an der Fleischbrücke richtete er 1866 die ersten öffentlich zugänglichen Schauräume für das Gewerbemuseum der Stadt Nürnberg ein. Als Beeg im Januar 1867 verstarb, kam das Projekt zum Erliegen. Doch der Funke war geschlagen. Reichsrat Lothar von Faber hielt im Dezember 1867 vor dem Reichstag einen flammenden Vortrag, der dem Nürnberger Museum den Weg wies: Ein Mittel für gute Erfolge zur „höheren Entwicklung der Industrie“ seien „gute Schulen“. Die Nützlichkeit einer „Zentralstelle nebst Gewerbemuseum“ sah er in „der Beförderung und Ausbildung der Gewerbe, Verbesserung … der Fabrikerzeugnisse … sodass sie nach und nach in einer immer größeren Anzahl jener Fabrikate, welche sich für den Export eignen, jede Konkurrenz siegreich zu bestehen im Stande wäre(n)“. (Schrift zum 50. Jubiläum der LGA, S. 9).

„Seit diesen bedeutsamen Worten kam die Frage der Errichtung eines Gewerbemuseums nicht mehr zur Ruhe“, heißt es im Anschluss an die abgedruckte Rede lapidar. Unter dem Vorsitz des Bürgermeisters von Nürnberg, Freiherr Karl Otto Stromer von Reichenbach, wurde ein „Provisorisches Komitee“ eingesetzt. Nun fehlte es „nur noch“ an der finanziellen Ausstattung. Reichsrat Theodor von Cramer-Klett stellte 50.000 Gulden zur Verfügung; Lothar von Faber ließ Worten Taten folgen und bot die gleiche Summe auf. Der Gewerbeverein Nürnberg setzte 10.000 Gulden ein und stellte Bibliothek und Mustersammlung zur Verfügung. Die Gemeindevertretung Nürnbergs bot 150.000 Gulden auf; der Kreis Mittelfranken jährlich 3.000 Gulden.

Ein Gremium wurde gebildet, etwa 200 Vertreter der Städte und Distrikte kamen zum Gründungsakt am 28. April 1869 zusammen; Delegierte aus Industrie, Gewerbe, Handel, Abgeordnete des Reichstags, Beauftragte des Handelsministeriums, der Polytechnischen Hochschule. Das Ziel wurde so formuliert: „Technische Fertigkeiten und Kunstgeschmack unter dem Arbeiterstande und den Gewerbetreibenden des Landes zu fördern“. (Statuten des Bayerischen Gewerbemuseums, Festschrift 50 Jahre, Seite 17).

DIES SOLLTE DAS NEUE GEWERBEMUSEUM LEISTEN:

  • Anlage einer Sammlung für Gewerbe und Industrie in Verbindung mit einem Musterlager und Lokalen für Ausstellungen
  • Gründung einer technischen Fachbibliothek und Lesezimmer
  • Errichtung eines Versuchslaboratoriums
  • Förderung des gewerblichen Unterrichts, Gründung neuer Fachschulen und Fachkurse für einzelne Gewerbe
  • Abhalten von Vorträgen
  • Errichtung eines Büros

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