LGA Aktiv im Trinkwasser­schutz

Aktiv im Trinkwasser­schutz

Peter Budig

HYDROGEOLOGIE IN DER LGA

Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen, heiße Sommer und niederschlagsarme Winter häufen sich. Dem Thema wird in diesen Tagen in allen Medien große Aufmerksamkeit geschenkt, die Nürnberger Nachrichten titelten am 16. März 2023: „Niedrige Pegelstände: Droht in der Region ein Sommer der Extreme?“ Auf einer Bayern-Karte des Wasserwirtschaftsamtes sind viele Messstellen gelb, orange oder rot markiert: „Bei knapp zwei Dritteln ist der Wasserstand niedrig oder sehr niedrig. Zum Vergleich: In den drei Jahren zuvor hatte zum selben Zeitpunkt nur etwa ein Drittel der Messstellen solch schlechte Werte“, schrieb BR 24 online.

Das Thema „Grundwasser“ ist seit jeher im Zusammenhang mit Neubau- Planungen, Umnutzungen, Entsiegelungen oder Bodenaushubmaßnahmen unmittelbar relevant. „Zumal bei uns in Bayern, wo man zu Recht stolz darauf ist, dass das Grundwasser oft direkt als Trinkwasser dienen kann.“ Hier sind Beurteilungen und Beratungen gleichermaßen gefragt, nicht erst seit der Klimawandel Sorgen bereitet.

„Die Grundwasserfrage ist immer heikel“, so der LGA-Diplomgeologe Dr. Wolf-Ulrich Henken-Mellies. „Sie lautet: Kann eine Bautätigkeit das Grundwasser schädigen?“ Baufahrzeuge, die Treibstoff verlieren, bauliche Eingriffe in den Grundwasserkörper (was an manchen Orten im Nürnberger Stadtgebiet bereits in 0,5 Meter Tiefe geschehen kann), lehmige wasserstauende Schichten, die durchbrochen werden – viele Szenarien sind vorstellbar, die der Experte in Betracht ziehen muss. Vorausschauend können „mit Hilfe von Flurabstandskarten Baugrundbereiche analysiert werden, die aufgrund geringer Flurabstände im unmittelbaren bzw. mittelbaren Einflussbereich des Grundwassers liegen“. Solche Voruntersuchungen und eine zeitweise Aufsicht während der Bauphase sind praktisch bei allen größeren Bauvorhaben nötig.

Dr. Henken-Mellies erinnert sich daran, wie er beim Neubau des Augustinerhofes, beim Tiefdepot des Germanischen Nationalmuseums oder beim Neubau der A3 zwischen Nürnberg und Würzburg hinzugezogen wurde. „Wenn Anlagen geplant sind, die dafür bestimmt oder geeignet sind, Grundwasser aufzustauen, abzusenken oder umzuleiten, wird grundsätzlich eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich“, lautet das im Amtsdeutsch des Wasserhaushaltsgesetzes. Besondere Aufmerksamkeit verlangt der (Straßen-) Bau, wenn Grundwasserschutzgebiete tangiert sind. Auf der 71 Kilometer langen Ausbaustrecke der A3 Richtung Würzburg beispielsweise sind auf 3,3 Kilometern Länge besondere Maßnahmen für Trinkwasserschutzgebiete nötig. Dort und auch bei der Querung von Naturschutzgebieten wird das Grundwasser in zahlreichen Messstellen genau beobachtet.

Immer eine heikle Frage: Grundwasserschutz beim Straßenbau.

Programmierung des Datenloggers in einer Unterflur-Grundwassermessstelle

Beobachten, messen, beurteilen – auf diesen drei Pfeilern ruht die Arbeit des Geologen beim Grundwasserschutz. Probebohrungen, Brunnenmessungen, Wasserspiegelkontrollen liefern nötige Daten. Dabei haben sich die Schwerpunkte der Aufmerksamkeit mit den Jahren verändert: „Wurde früher innerstädtischer Grund bebaut und versiegelt, trachtete man danach, das Wasser irgendwie abzutransportieren, nur weg vom Baugrund. Heute will man, dass das Wasser dort versickert, wo es niederregnet. Niederschläge dienen der Grundwasserneubildung, doch es regnet in vielen Gegenden viel zu selten und zu wenig. Das erfordert besonderes Augenmerk: Immer häufiger werden elektronische Monitoring-Systeme installiert, um die Entwicklung des Grundwasserspiegels über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Manchmal wird Dr. Henken-Mellies zu Aufträgen im Gebäudeschutz herangezogen, die detektivischen Spürsinn erfordern. Er erinnert sich an Fälle, wo in Siedlungen plötzlich immer wieder Grundwasser in einzelnen Kellern austrat und diese feucht zurückließ. „Das kann viele Gründe haben: ein verstopftes Regenrohr, ein Stau, der aus der Nachbarschaft kommt, eine falsch angeschlossene Abflussleitung … Die Ursachenermittlung ist dann der schwerste Teil der Prüfung, und hier ist nicht nur wissenschaftlicher Sachverstand, sondern auch das Baugefühl des erfahrenen Geologen nützlich“, erläutert er.

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