STRASSENABDECKUNGEN WERDEN NACH DIN GEPRÜFT UND ERHALTEN DAS „ LGA TESTED“-SIEGEL
Der Gullydeckel macht den Deutschen Kummer – denn er gehört zu den beliebtesten Fehlerquellen der Rechtschreibung. Der Begriff kommt aus dem Englischen, schreibt sich mit „y“, nicht mit „i“. Gully bedeutet „Straßenablauf für Regenwasser“. „Gullys verdecken Abläufe, Einsteig- und Kontrollschächte in Flächen, die für Fußgänger und/ oder den Fahrzeugverkehr bestimmt sind“, heißt es im deutschen Normblatt.
Im Alltag sind „Aufsätze und Abdeckungen für Verkehrsflächen“, wie sie in DIN EN 124-1 beschrieben sind, komplexe und schwergewichtige Straßenbegleiter aus Gusseisen und Beton. Kleine Abdeckungen für den Seitenablauf wiegen ca. 40 bis 50, die großen Straßendeckel bis zu 120 Kilo. Sie alle unterliegen Kontrollnormen. Allerdings hat man sich in Europa nicht auf eine harmonisierte Europäische Norm einigen können. Die DIN EN 124-1 ist jedoch in Deutschland eingeführt, allgemein anerkannt und wird als Regelprüfung in Deutschland angewandt.
Das eingespielte Experten-Team der LGA auf diesem Themenfeld sind Dr. Markus Bernhardt und sein Kollege, der staatlich geprüfte Bautechniker Christian Dobler. Die Gully-Prüfungen sind Aufträge, die üblicherweise im Zyklus von zweimal jährlich zu bearbeiten sind. Grundsätzlich werden neue Produkte vor der Markteinführung einer Erstprüfung unterzogen und freiwillig zertifiziert. Die LGA befolgt dafür die Anforderungen der Norm und die des freiwilligen Zertifizierungssystems „LGA tested“. Im Produktionsprozess werden keine Gullydeckel geprüft, sondern die relevanten Parameter in der Produktion, die zu dem gewünschten Produkt führen. Zusätzlich führen Hersteller in Eigenregie Prüfungen nach DIN EN 124 durch, für jedes Produkt einmal in sechs Monaten oder einmal pro 5.000 produzierte Stück.
Ist so ein Gullydeckel einmal im Straßendienst, dann hat er bei richtiger Handhabung eine sehr lange Lebensdauer. Dennoch müssen Gullydeckel aus Gusseisen, die in der Fahrbahn verbaut sind, oftmals noch vor dem Fahrbahnbelag ausgetauscht werden, da sie insbesondere durch den Einsatz von Streusalz Korrosionsschäden aufweisen können, die ihre Funktionalität einschränken. „Seit dem Jahr 2024 werden deshalb vermehrt Schachtabdeckungen aus Edelstahl mit Betonfüllung eingesetzt“, erläutert Dr. Bernhardt.
Häufig bestehen Deckel noch aus Gusseisen, das bei 1.400 Grad Celsius verarbeitet wird. Dr. Bernhardt besucht sowohl die Gießereien als auch den Endhersteller der Abdeckungen. Während der Produktion wird werkintern überwacht, ob die vorgeschriebenen Werte eingehalten werden. Zum Einzugsgebiet der LGA gehören Herstellerbetriebe mit Produktionsstätten in Tschechien und Deutschland.
Das Labor ist Christian Doblers Revier: Die Maße eines Deckels werden kontrolliert und zum Abschluss kommt er in die Druckpresse. Eine genormte Druckplatte simuliert eine Drucklast, die zwei Drittel der Last beträgt, für die der Deckel ausgelegt ist. Diese Last wird in Zyklen fünfmal auf das Probestück aufgebracht. Zum Schluss wird noch die volle Prüflast, für die der Deckel konzipiert wurde, plus einem Sicherheitsbeiwert aufgebracht. Alles geschieht, um zu testen, ob der Prüfköper dieser Last ohne Schaden standhält. „Wir messen, wie weit sich der Deckel verformt hat, wie sehr er durchgebogen ist. Dafür gibt es Normwerte“, erläutert Dobler. Verformungen werden festgehalten. Die Messwerte der Festigkeit und ggf. weiterer Prüfungen werden mit den Normen abgeglichen und der Kunde erhält einen Prüfbericht.




















